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PaxPostPB 03/2017Die dritte Ausgabe 2017 der PaxPostPB ist erschienen. Das Mitteilungsblatt der Bistumsstelle wurde an alle Mitglieder verschickt und kann auch als PDF-Datei heruntergeladen werden.

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Sa 18.11.2017,
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14.12.2015

Leserbrief an den DOM

Martin Guntermann-Bald hat einen Leserbrief zum DOM-Bericht (Nr. 41, 2015, S.20f.) zu den Vermögensrücklagen unseres Erzbistums geschrieben.


Sehr geehrter Herr Nückel, sehr geehrte Damen und Herren,

Der DOM-Bericht (Nr. 41, 2015, S.20f.) zu den Vermögensrücklagen unseres Erzbistums bewegt mich zu dem unten stehenden Leserbrief. Ich freue mich über eine Veröffentlichung. Danke für Ihre freundliche Beachtung.

Martin Guntermann-Bald

 

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Der wohlwollenden Berichterstattung des DOM zur Vermögenslage des Erzbistums möchte ich – als Anfrage - eine andere Sichtweise entgegenstellen.

Nach dem II. Weltkrieg türmte unsere Kirche enorme Vermögenswerte auf – parallel zu Wirtschaftswunder, Ölkrise, Massenarbeitslosigkeit, Wiedervereinigung, unterschiedlichen Flüchtlingswellen und einer wachsenden Ungleichverteilung zwischen Arm und Reich – nicht zu vergessen: einer sich beschleunigenden Entkirchlichung. Es wurde sicherlich mehr zurückgelegt als notwendig. Aus welcher Motivation und wozu geschah das? Wer erwirtschaftete dieses Vermögen? Wem soll es zugute kommen? Den 1,56 Millionen Katholiken hier? Oder den 1.100 Priestern? Da blieben dann immerhin 3,6 Mio € für jeden übrig! So viele Fragen – und nur dieser eine DOM-Bericht!

Eine solche Art der Absicherung gegen mögliche finanzielle Einbrüche in der Zukunft setzt nun aber nicht auf Glauben, auf das Vertrauen auf Gott, auf den Zusammenhalt des gläubigen Volkes Gottes, sondern vertraut der Macht des Mammon. Wird hier nicht dem „verwechselbaren Gott“ des Geldes gehuldigt, den der Dortmunder Theologe Thomas Ruster in seinem gleichnamigen Buch beschreibt? Versteckt sich hier nicht der blanke Kapitalismus in kirchlich-caritativem Gewand? Theologisch betrachtet wäre das Apostasie – Abfall vom Glauben an den Gott Jesu ...

Die alttestamentlichen Propheten lehnen jegliche Anhäufung von Reichtümern angesichts der Armut des Volkes strikt ab: „Der Herr geht ins Gericht mit den Ältesten und Fürsten seines Volkes: "Ihr, ihr habt den Weinberg geplündert; eure Häuser sind voll von dem, was ihr den Armen geraubt habt. Wie kommt ihr dazu, mein Volk zu zerschlagen? Ihr zermalmt das Gesicht der Armen – Spruch des Herrn der Heere." (Jes 3,14f.) Auch Jesus zeigt in der Erzählung vom reichen Prasser, vor dessen Tür der arme Lazarus im Elend alleingelassen wird, dass vorgehaltener Reichtum nicht zum Leben führt (Lk 16). Und stand nicht just in dieser DOM-Ausgabe das Sonntagsevangelium vom reichen Jüngling und dem schmalen Weg durch das Nadelöhr?

Es bleibt die Frage, was mit solchem Vermögen geschehen kann. Warum traut sich die Kirchenleitung nicht, zukunftsweisende Projekte in den Bereichen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aufzubauen? Oder Wohnprojekte, wo Menschen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen: Junge und Alte, Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende, Deutsche und Flüchtlinge? Oder Orte, an denen alternative Formen des Wirtschaftens, Wege aus Verarmung und Elend diskutiert und erprobt werden? Wo ist die Grenze zwischen berechtigter Vorsorge und Niederknien vor dem Gott des Geldes? Ist unsere Kirche etwa eine Religionsbehörde zur Bewachung eines immensen Geldtresors, der als „Reich Gottes“ den Fortbestand einer fast menschenleeren Institution in alle Ewigkeit hinein absichern soll? Oder steigt sie hinab zu den Menschen in Not und gibt ihnen reale Hoffnung auf den Gott des Lebens?

Von den Dinosauriern heißt es, sie seinen ausgestorben, weil: zuviel Panzer – zu wenig Hirn. Könnte es unserer Kirche ähnlich ergehen: zu viel Geld – zu wenig Geist?

Martin Guntermann-Bald, Brilon

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