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Mehr fürs Militär - nicht mit uns!Streiten für Gerechtigkeit, Frieden und Abrüstung Mit der pax christi Kampagne "Mehr fürs Militär – Nicht mit uns!“ beim DGB-Friedensfestival wollen pax christi und weitere Dortmunder Gruppen und Parteien gegen die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung informieren und mobilisieren

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08.07.2014

Lernen aus dem Ersten Weltkrieg?

Arno Klönne analysiert beim Linken Forum in Paderborn die Interessen der beteiligten und wird musikalisch von Akampita Steiner begleitet.


"Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren" meinte der Lyriker und Philosoph Paul Valéry. Dessen ungeachtet war die Kriegszustimmung bei der deutschen Intelligenz, bei Künstlern und Wissenschaftlern am Beginn des Ersten Weltkriegs hoch, nachzulesen etwa im Manifest der 93, zu dessen Unterzeichnern Gerhard Hauptmann, Friedrich Naumann, Max Liebermann oder Max Planck gehörten. "Welche Kriegstreiber, welche Interessen steckten wirklich hinter der so genannten Urkatastrophe?" fragte der Soziologe Professor Arno Klönne bei einer Kooperationsveranstaltung des Linken Forums Paderborn mit Pax Christi und der Paderborner Initiative gegen den Krieg mit dem Titel Das Menschenschlachthaus.

Beim Ersten Weltkrieg habe es sich um imperialistische Interessenpolitik gehandelt, betonte Klönne. "Ziel war die Erweiterung des eigenen Machtraums mittels kriegerischer Geopolitik." Interessenten seien große Kapitalgruppen, die Rüstungsindustrie, die Militärs, aber auch Angehörige der Wissenschaftsgemeinde gewesen, denen an der Erprobung und Fortentwicklung von Kriegstechnik gelegen war. Da die, allerdings in sich gespaltene, Arbeiterbewegung eine starke Oppositionskraft war, habe es, so Klönne, verstärkter Propagandaanstrengungen zur Erzeugung massenhafter Zustimmung bedurft, durchaus mit rassistischen und sozialdarwinistischen Beimischungen.

Klönne: "Eine sehr unrühmliche Rolle haben auch die christlichen Kirchen bei der Einstimmung auf den Krieg gespielt, die sich durch ihn eine religiös-sittliche Erneuerung erhofften." In einem gemeinsamen Hirtenbrief deutscher Bischöfe habe es noch 1917 geheißen: "Kameraden! Wahret die heiligsten Güter des glorreichen deutschen Heeres, seid treu im Gehorsam! Jesus, unser Feldherr, lehre uns gehorchen!" Die ideologische Hilfe der Kirchen habe eine außerordentliche Bedeutung für die Erzeugung der Kriegsbegeisterung gehabt.

Klönne beschrieb die technologischen Neuerungen im Ersten Weltkrieg als ursächlich für den massiv erhöhten Grad an Brutalität der Kriegsführung. "Der Gaskrieg, der Einsatz von Maschinengewehren, U-Booten und neuartiger Artillerie sorgten für eine Ausdehnung des Krieges und seinen Übergriff auch auf die Heimatfront." Am Ende forderte der Erste Weltkrieg rund 17 Millionen Menschleben.

"Lässt sich aus dieser Geschichte lernen?" fragte Klönne abschließend. Da seien, zumindest was die herrschende Politik anbelange, Zweifel angebracht. Klönne verwies auf ein jüngst von Joachim Gauck im Deutschlandfunk gegebenes Interview. Darin habe der Bundespräsident erneut herausgestellt, dass die Bundesrepublik mehr geopolitische "Verantwortung" übernehmen müsse, dabei auch bereit sein müsse, "zu den Waffen zu greifen". Widerstand sei angezeigt, betonte Klönne. Hoffungsfroh stimme, dass eine sehr große Bevölkerungsmehrheit hierzulande die Beteilung Deutschlands an Kriegseinsätzen ablehne.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch die Liedermacherin und Sängerin Akampita Steiner, unter anderem mit Liedern von Kurt Tucholsky, Konstantin Wecker, George Harrison sowie Eigenkompositionen.

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